Das Kreisel-Konzept

Eine Regionalwährung für Weimar und das Weimarer Land und die Wertschätzung von freiwilligem Engagement

Freunde der ausführlichen Information finden hierunter unsere komplette Projektskizze mit dem derzeitigen Stand unserer Arbeitsgruppe. Wer´s kurz und knackig mag, kann sich je nach Interesse durch die entsprechenden Rubriken der Website forsten.

PROJEKTSKIZZE:

Aus der Motivation heraus,

  • Geld neu zu denken,
  • es zu einem hilfreichen Werkzeug der Menschen zu machen und ihm seine Eigenschaft als Selbstzweck ab zu erkennen,
  • ihm die Botschaft auf den Weg zu geben, Diener der Nutzenden zu sein und nicht ihr Beherrscher,
  • im Satz "Money makes the World go round" das Geld durch den Menschen zu ersetzen,

wollen wir eine Regionalwährung gestalten, die

  • in stabilen Kreisläufen fließt,
  • lokales Wirtschaften fördert,
  • ohne Wachstumszwang auskommt,
  • anerkennt und unterstreicht, dass Geld nicht arbeiten kann und
  • auch die unbezahlbare Arbeit freiwillig Engagierter für das Gemeinwohl wertschätzt.

Das Projekt:

Wir schlagen die Einführung einer Regionalwährung (im Folgenden Kreisel bzw. Ilm-Kreisel) unter Einbeziehung einer nachhaltigen Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements vor. Die Kreisel sollen eine Umlaufsicherung erhalten und zeit- bzw. leistungsgedeckt sein. Die Menge der umlaufenden Kreisel wird an die Zahl der teilnehmenden Unternehmen und Privatpersonen gekoppelt. In Umlauf gebracht werden die Kreisel hauptsächlich über lokale, gemeinnützige Vereine und durch Menschen, die sich dort engagieren - sei es in der Flüchtlingshilfe, der Altenhilfe, in Kindergärten und Schulen, in Kulturinitiativen, in antirassistischer Arbeit oder Pflegeeinrichtungen.

Für jede neue Person bzw. neues Unternehmen, das seine Teilnahme im Kreisel-Netzwerk registrieren lässt, erhalten Träger gemeinnütziger Arbeit die Erlaubnis eine bestimmte Menge an Kreiseln zu emittieren. Diese wird den dort freiwillig Engagierten zur Verfügung gestellt und kann bei allen Teilnehmenden gegen Waren und Dienstleistungen in Umlauf gebracht werden.

Lokale Unternehmen und Selbständige können als Akzeptanzstelle Kreisel entgegen nehmen und ihrerseits Waren und Dienstleistungen damit einkaufen oder anteilig Löhne und Mieten bezahlen. Privatleute können nachbarschaftliche Hilfen und Hobbyprodukte auf einer Internetplattform gegen Kreisel zum Tausch anbieten und mit den Erlösen wieder auf der Tauschplattform oder in den Kreisel-Akzeptanzstellen einkaufen.

Damit die Währung in einem stabilen Kreislauf rasch umläuft, wird eine Haltegebühr als Umlaufsicherung eingeführt. Haltegebühr bedeutet, dass zu bestimmten Stichtagen im Jahr ein Anteil der Guthaben in Prozent als Gebühren in das Kreisel-Netzwerk zurückfließen. Im Unterschied zum Zins als Umlaufsicherung wird damit „zur Kasse gebeten“, wer ein Guthaben hat und nicht die, die eins brauchen. Dadurch entsteht ein Bestreben die Kreisel zügig weiterzugeben und nicht durch Horten dem Kreislauf zu entziehen. Der größte Teil der dadurch eingenommenen Kreisel wird wiederum gemeinnützigen Initiativen und Vereinen als Dankeschön für ihre Freiwilligen zur Verfügung gestellt und von diesen zurück in den Kreislauf der lokalen Wirtschaft gebracht. Als Umlaufsicherung könnten ca. 6 - 15% Haltegebühr im Jahr ausreichen um den Kreiseln einen Umlaufimpuls zu geben. Diese ersetzt den Zins als Umlaufsicherung und vermeidet so einen eingebauten Wachstumszwang in der Regionalwährung.

Mit dieser Idee geht es nicht darum ehrenamtliche in bezahlte Arbeit zu verwandeln. Das Verhältnis von ausgezahlten Kreisel-Gutscheinen zum geleisteten Ehrenamt kann sich ruhig in einem ähnlichen Rahmen wie Ehrenamtspauschalen und Aufwandsentschädigungen bewegen (ohne diese zu ersetzen). Vielmehr geht es darum, das symbolische Moment der Versorgung einer Gemeinschaft mit Liquidität an eine Stelle zu verlegen, die für die Daseinsvorsorge einer Gesellschaft ebenso wichtig ist wie das Geldwesen. Allzu oft wird vergessen und verdrängt, dass das reibungslose Funktionieren unserer monetarisierten Gesellschaften wesentlich durch vielfältige unbezahlte Arbeit aufrecht erhalten wird.

In einer Regionalwährung ohne Zins- und Zinseszinseffekt wird Umverteilung neu definiert:

Anstatt ausnahmslos von unten nach oben zu wandern, laufen regionale Zahlungsmittel in einem stabilen Kreislauf um. Die Gebühren dienen gemeinnützigen Zwecken und fließen der Wirtschaft wieder zu.

Die Problemlagen:

  1. Durch die Einpreisung aller Kreditzinsen in Produktpreise und Steuern zahlen alle Menschen bis zu 40% Zinsen mit jedem Konsumgut, das sie kaufen. Auf diese Weise wandert beinahe die Hälfte der Kaufkraft einer Region beständig ab. Es handelt sich um eine systematische Umverteilung des Geldes von unten nach oben. Die Folge ist ein gewaltiger Wachstumsdruck auf alle kleinen und mittelständischen Unternehmen mit den bekannten Prinzipien: „Wachse oder Weiche“ sowie „Gewinne privatisieren und Risiken sozialisieren“.

  2. Der Zwang zu immer größerem Wachstum auf einem begrenzten Planeten führt zu den sattsam bekannten Problemen Klimawandel, Smog, Verkehrskollaps, Ressourcenverschwendung etc. Immer größere Monopolisierung verlängert Transportwege und immer größere Renditeerwartungen machen faires und transparentes Wirtschaften schwierig.

  3. Gleichzeitig ist ehrenamtliches Engagement aus unserem sozialen Leben nicht mehr wegzudenken. Es wird überall gebraucht und etliche Stiftungen und Verbände sind auf der Suche nach guten Möglichkeiten das Ehrenamt zu stärken, zu fördern und die gesellschaftliche Wertschätzung zu erhöhen. Oft sind viele ehrenamtlich Motivierte in ihrem eigenen Leben nur prekär abgesichert und müssen manchmal ihr Ehrenamt zugunsten der eigenen Lebenssicherung wieder aufgeben.

Ziele:

Durch die innovative, spezifische Konzeption der Kreisel als Regionalwährung können die Problemlagen gemeinsam angegangen und folgende Ziele erreicht werden:

Wirtschaft

dauerhafte und nachhaltige Bindung der Kaufkraft an die Region und Verringerung des Kapitalabflusses

damit verbunden bessere Überlebensmöglichkeiten kleiner lokaler Unternehmen und Geschäfte

Förderung der Vernetzung regionaler Unternehmen, lokaler Erzeuger und Verbraucher

Stärkung der lokalen Wirtschaft und Wertschöpfung in der Region

Möglichkeit einer Euro-unabhängigen Absicherung des Lebensnotwendigen im Krisenfall

Soziales

Förderung von kooperativen Wirtschaftsformen und guten Nachbarschaften, Überwindung von sozialer Anonymität

Stärkung von ehrenamtlicher Tätigkeit in der gesamten Region

größeres gesellschaftliches Bewusstsein über den Wert und die Notwendigkeit ehrenamtlichen Engagements

verbesserte und konkrete Wertschätzung der Engagierten

Steigerung der lokalen Lebensqualität und der Identifikation der Menschen mit ihrer Region

emanzipatorische Wirkung für einkommensschwache Haushalte, niedrigschwellig die eigene Lebensqualität zu steigern

Umwelt

organisches Wirtschaftswachstum statt exponentiellem ermöglicht Gemeinwohl basierte Geschäftsideen.

Stärkung einer regionalen Subsistenzversorgung, damit verbunden positive Klima- und Umwelteffekte.

Netzwerkbedingte Synergieeffekte:
„nutzen statt besitzen“
„teilen statt kaufen“

Verkürzung der Transportwege

Funktionsweise:

Beispiel für Privatpersonen

Max Schmidt möchte gerne mit Kreiseln, der regionalen Währung seiner Region, einkaufen. Er meldet sich auf der Webseite an und bekommt bspw. 20 Kreisel als Startguthaben gutgeschrieben. Zusätzlich werden allein durch seine Teilnahme 80 Kreisel für gemeinnützige Organisationen seiner Wahl erzeugt und an freiwillig Engagierte verteilt.

Um weitere Kreisel zu bekommen, kann Max Schmidt eigene Angebote im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auf der Tauschplattform der Webseite einstellen wie z.B. Fahrräder reparieren, kochen, Nachhilfe oder Klavierstunden geben etc. Jeder hat eigene Talente und Fähigkeiten anzubieten. Als unverbindliche Leitlinie gilt für die Tauschplattform: Stunde gegen Stunde. Wir empfehlen 10 Kreisel (als Äquivalent zu 10 €) pro Stunde zu verrechnen. Materialkosten können natürlich zusätzlich vereinbart werden.

Falls er in einem lokal angesiedelten Unternehmen arbeitet, kann er seine ChefIn überzeugen, Kreisel zu akzeptieren und ihm als Anteil am Lohn auszuzahlen.

Beispiel für lokale Unternehmen

Das kleine Café in der Geleitstraße hatte letztes Jahr als Werbeaktion noch selbst kleine Wertgutscheine herausgegeben. Dieses Jahr spart sich die Inhaberin Aufwand und Druckkosten und meldet sich einfach als Akzeptanzstelle für die Kreisel an. Sie zahlt eine kleine Verwaltungsgebühr und erhält einen Login und ein Konto. Mit dem Login kann sie ein Profil ihres Cafés erstellen und wird auf der interaktiven Karte sichtbar. Über einen Button kann sie direkt auf ihre eigene Seite verlinken.

Die Kreisel, die sie nun zusätzlich einnimmt, behalten anders als ihre eigenen Wertgutscheine ihre Gültigkeit und sie kann selbst auch damit einkaufen. Vielleicht hat sie schon lokale Zulieferer oder Handwerker, die sie mit kleinen Reparaturen beauftragen kann und die ebenfalls Kreisel akzeptieren. Falls nicht, kann sie kostenlos Infomaterial anfordern, um diese vom Nutzen der Regionalwährung zu überzeugen.

Wenn sie gar keine Betriebsausgaben in Kreiseln tätigen kann, kann sie sie für ihren privaten Bedarf entnehmen oder ihre MitarbeiterInnen fragen ob sie Mitglieder des Kreisel-Netzwerkes sind bzw. werden möchten und einen Teil ihres Lohnes in Kreiseln bekommen wollen.

Beispiel für ehrenamtlich Tätige und Vereine

Frau Lisa Meier ist ehrenamtlich bei der Blankenhainer Tafel tätig. Sie wird kostenlos Mitglied des Kreisel-Netzwerkes, erstellt sich auf dessen Webseite einen Mitgliederlogin und bekommt ein Konto.

Der Blankenhainer Tafel e.V. meldet sich ebenfalls an und bekommt einen Zugang. Nun kann der Verein Frau Meier Kreisel als Anerkennung und Dankeschön zur Verfügung stellen und auf Frau Meiers Konto überweisen. Vor ihrem nächsten Weimar-Besuch sieht Frau Meier zuerst auf der Webseite nach, welche Geschäfte die Kreisel schon akzeptieren. Sie entdeckt z.B., dass sie sich im lokalen Bio- oder Eine-Welt-Laden etwas Leckeres oder Hübsches für ihre Kreisel kaufen kann. Und weil sie viel öfter an der Tafel arbeitet als sie nach Weimar fährt, hat sie danach immer noch genug Kreisel für beispielsweise eine Kinokarte im Lichthaus oder eine Theaterkarte im Stellwerk übrig, sofern sich diese Einrichtungen der regionalen Währung angeschlossen haben. Die Bezahlungen kann sie bequem per APP- oder SMS-Überweisung vornehmen oder online über ihr Kreiselkonto ausführen.

Wenn Frau Meier nicht immer nach Weimar fahren will und es in Blankenhain noch keine Kreisel-Akzeptanzstellen gibt, kann sie kostenlos Infomaterial anfordern um in ihrer Stadt lokale Unternehmen vom Nutzen der Regionalwährung zu überzeugen. Außerdem kann sie die ständige Arbeitsgruppe einladen, eine Infoveranstaltung in Blankenhain zu organisieren.
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Kontakt

Ilm-Kreisel

Die RegioGeld-Initiative
für Weimar & Umland

(im Aufbau)

Ruft an
0163 4514759

oder schreibt uns:
info@ilm-kreisel.de

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